
Anorexia nervosa ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, die durch einen selbst herbeigeführten Gewichtsverlust, eine intensive Angst vor Gewichtszunahme und eine gestörte Körperwahrnehmung gekennzeichnet ist. Betroffene haben oft ein verzerrtes Bild ihres eigenen Körpers und nehmen sich selbst als „zu dick“ wahr, obwohl sie untergewichtig sind.
Die Magersucht ist die psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Mangel -und Fehlernährung führen letztendlich zu Organversagen, maligen Rhythmusstörungen –> plötzlicher Herztod. Lungenentzündungen enden tödlich. Besteht parallel eine Depression können kann ein Suizid am Ende stehen.
Hauptmerkmale laut ICD-11 / DSM-5:
- Gewichtsverlust: Absichtliches Einschränken der Nahrungsaufnahme, um Gewicht zu reduzieren oder niedrig zu halten.
- Intensive Angst vor Gewichtszunahme: Trotz Untergewicht besteht eine starke Angst, zuzunehmen.
- Gestörtes Körperbild: Selbstwahrnehmung ist stark verzerrt; oft werden bestimmte Körperbereiche überbewertet.
- Körperliche Folgen: Untergewicht, Mangelernährung, hormonelle Störungen, Herz-Kreislauf-Probleme u. v. m.
Es gibt zwei Subtypen:
- Restriktiver Typ: Gewichtskontrolle hauptsächlich durch Nahrungsreduktion oder Fasten.
- Binge-Eating/Purging-Typ: Neben Einschränkung der Nahrungsaufnahme treten Essanfälle und/oder kompensatorische Maßnahmen wie Erbrechen oder übermäßige Bewegung auf.
Hier eine Übersicht der typischen emotionalen und psychischen Symptome bei Anorexie:
Emotionale Symptome
- Angst
- Intensive Angst vor Gewichtszunahme oder davor, „die Kontrolle zu verlieren“.
- Angst vor Bewertungen durch andere, insbesondere in Bezug auf Körper und Leistung.
- Häufig auch generalisierte Ängste (z. B. vor Veränderungen, Nähe, Versagen).
- Scham und Schuldgefühle
- Scham über den eigenen Körper, über Essverhalten oder vermeintliche „Schwäche“.
- Schuldgefühle nach dem Essen, beim Auslassen von Sport oder bei kleinsten Regelverstößen.
- Gefühl der Kontrolle / Zwang zur Kontrolle
- Das Hungern vermittelt ein starkes, fast rauschhaftes Gefühl von Kontrolle und Stärke.
- Diese Kontrolle dient oft als Bewältigungsstrategie für tiefere innere Unsicherheiten oder Ohnmachtsgefühle.
- Leere und emotionale Abflachung
- Viele Betroffene berichten, dass sie kaum noch Gefühle spüren – außer Angst oder Druck.
- Diese emotionale Taubheit ist teils Folge der Unterernährung, teils ein Schutzmechanismus.
- Perfektionismus und Selbstkritik
- Unrealistisch hohe Ansprüche an sich selbst.
- Ständige Selbstbeobachtung und harsche innere Kritik („Ich bin nicht gut genug“).
- Depressive Verstimmung
- Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Rückzug.
- Häufig verbunden mit einem Gefühl von Sinnlosigkeit oder Selbstverachtung.
- Ambivalenz
- Gleichzeitiges Verlangen nach Heilung und starke Angst davor.
- Innere Zerrissenheit zwischen dem Wunsch nach Normalität und der Angst, Kontrolle oder Identität zu verlieren.
- Euphorie beim Hungern
- Manche erleben kurzfristig ein Gefühl von Reinheit, Erhabenheit oder „Überlegenheit“, wenn sie hungern oder Disziplin zeigen.
- Isolation und Entfremdung
- Rückzug von sozialen Kontakten, weil Essen und Körper ständig im Mittelpunkt stehen.
- Gefühl, „anders“ oder „nicht verstanden“ zu sein.
Typische Gedanken und Einstellungen
- „Ich bin nur etwas wert, wenn ich schlank bin.“
- „Essen ist Schwäche.“
- „Kontrolle ist Sicherheit.“
- „Wenn ich esse, verliere ich mich selbst.“
- „Niemand versteht mich.“
Hintergrunddynamiken (psychologisch betrachtet)
- Das Hungern dient oft dazu, emotionale Überflutung zu vermeiden – Schmerz, Angst, Wut oder Trauer werden durch den Nahrungsverzicht „abgeschaltet“.
- Es kann auch ein Versuch sein, Selbstwert zu stabilisieren, wo Bindung und Selbstakzeptanz fehlen.
- Anorexie wird häufig als sprachloser Ausdruck von Konflikten verstanden – der Körper „spricht“, wo Worte fehlen.