Das soziale Umfeld als Mitinitiator und Katalysator von Kontaktabbrüchen
Bindungsabbrüche, insbesondere zwischen Kindern und einem Elternteil, vollziehen sich selten isoliert. Sie entfalten sich in einem sozialen Raum – einem „Systemfeld“, das nicht nur reagiert, sondern aktiv formt, stützt, verstärkt. Schule, Familie, Nachbarn, Freunde und Fachkräfte wirken dabei nicht nur als Zuschauer, sondern als Mitgestalter der Wirklichkeit, in der der Kontaktabbruch sich vollzieht.
1. 🔄 Systemische Verstrickung: Das Feld stabilisiert das Abbruch-Narrativ
In einem entfremdenden Umfeld verschiebt sich die Loyalität:
- Das Kind übernimmt das Narrativ des betreuenden Elternteils.
- Das Umfeld spiegelt und verstärkt dieses Narrativ, statt es zu hinterfragen.
Beispiel:
Eine Lehrerin erlebt, dass das Kind abweisend über den Vater spricht. Anstatt sensibel zu explorieren, bekräftigt sie das innere Bild: „Dann ist es wohl besser, wenn du bei deiner Mutter bleibst.“
Das soziale Umfeld wird so zum Resonanzraum des Konfliktnarrativs. Aus psychodynamischer Sicht: Die Umgebung bietet keine korrigierende Beziehungserfahrung – sondern Konfluenz und Komplizenschaft.
2. 🧠 Psychologische Dynamiken im sozialen Umfeld
a) Abwehrmechanismen (auf Seiten des Umfelds)
- Verleugnung: „Ich halte mich da raus.“
- Rationalisierung: „Das Kind will den Kontakt doch gar nicht.“
- Projektion: Der entfremdete Elternteil wird als „bedrohlich“ empfunden, obwohl keine reale Gefahr besteht.
b) Innere Kind-Anteile & Übertragungen
- Lehrer:innen oder Großeltern können unbewusst eigene Verlassenheits- oder Loyalitätskonflikte in das Kind hineinprojizieren.
- Ego-States wie das „verletzte innere Kind“ oder der „loyale Helfer“ übernehmen die Kontrolle:
- „Ich muss das Kind schützen.“
- „Ich will keinen Streit mit meiner Tochter / meinem Sohn.“
- „Der Vater / die Mutter hat bestimmt etwas falsch gemacht.“
c) Bindungssysteme
- Das Umfeld orientiert sich oft an dem emotional präsenteren Elternteil, meist dem betreuenden – aus emotionaler Kontamination oder weil dieser droht, Beziehungen abzubrechen („Dann brauchst du nicht mehr kommen, wenn du mit ihm sprichst“).
3. 🎭 Motivationen des sozialen Umfelds
a) Konfliktvermeidung
- Viele handeln nicht aus Bosheit, sondern aus Angst vor Eskalation, vor Verlust der Beziehung zur Bezugsperson oder vor Schuld.
b) Rollenerhalt
- Großeltern etwa wollen ihre Beziehung zum „liebsamen Kind“ (i. d. R. dem betreuenden Elternteil) nicht gefährden – und nehmen dafür Kontaktabbrüche zum anderen Elternteil in Kauf.
c) Selbstbildwahrung
- Psycholog:innen oder Lehrkräfte wollen sich als „helfend“ erleben – also schließen sie sich unreflektiert der stärkeren Erzählung an, statt Ambivalenzen zuzulassen.
d) Unbewusste Macht
- Helfende Berufe (z. B. Therapeut:innen, Schulpsycholog:innen) können durch die unreflektierte Ausübung von Definitionsmacht die Beziehungsrealität des Kindes prägen und stützen damit den Bruch: „Der Vater ist toxisch – das Kind hat ein Recht, sich zu schützen.“
4. ⚠️ Folge: Das Kind verliert korrigierende Realitätszugänge
Ein Kind, das in einem solchen Umfeld aufwächst, hat keine Chance, die Sicht auf den entfremdeten Elternteil zu prüfen oder ein alternatives Bild zu entwickeln.
- Spiegel der Umgebung sind einseitig.
- Störungen in der Bindung werden nicht repariert, sondern legitimiert.
5. 💥 Katalysatorwirkung: Das soziale System wird zum Täter im Schatten
Durch Passivität, Zustimmung oder stille Bestätigung entsteht ein Zustand struktureller Gewalt:
Nicht das Kind bricht den Kontakt ab – das System bricht ihn für das Kind.
Dieses System handelt nicht sichtbar aggressiv, sondern:
- durch stillschweigende Unterstützung
- durch Affirmation einer Opfererzählung
- durch emotionale Koalitionen
So wird die soziale Umgebung zum Mitinitiator des Bruchs und verstärkt – oft irreversibel – die Trennung.
Fazit:
Ein Bindungsabbruch ist kein individuelles Ereignis, sondern ein sozial systemisch eingebetteter Vorgang, in dem viele Beteiligte – oft unbewusst – eine destruktive Dynamik stabilisieren.
Verantwortung beginnt dort, wo Menschen nicht handeln, obwohl sie erkennen (oder spüren), dass etwas falsch läuft.

Volker Stubbe
Das oben beschriebene muss ich leider voll und ganz bestätigen. Meine Tochter wurde mir von der Mutter auch entfremdet und nicht nur mir, ihrem Vater sondern auch Oma, Opa und Bruder. Das Jugendamt und Psychologinnen haben die Mutter bei der Entfremdung aktiv unterstützt und das Familiengericht hat das alles toleriert. In über 90% der Fälle erfolgt die Entfremdung durch Mütter / Täterinnen. Kindesentzug auch durch Entfremdung ist eine Straftat. Das interessiert in diesem Land nur niemanden. Selbst als ich die Familienrichterin darauf hinwies erntete ich als Antwort nur ein Schulterzucken. Wenn Kinder vor Gericht den Willen ihrer Mütter nachplappern wird dies als Kindeswille fehlinterpretiert. Der sogenannte Kindeswille wird als Persönlichkeitsrecht über das Persönlichkeitsrecht der Väter gestellt (90% aller Fälle). Kinder vor allem Mädchen lernen so schon ab der Kindheit, dass sie zu entscheiden haben was ihre Väter und damit Männer dürfen und was nicht. Ob diese Kontakt, Umgang, Beziehung haben dürfen. Was dies für das Bindungs- und Beziehungsverhalten dieser Kinder/Mädchen im Erwachsenenalter bedeutet ist nur allzuleicht vorhersehbar.