lostKIDz | 13. Dezember 2025 | 0 Comments

Versorgungslabyrinth

Deutschland verfügt an sich über über ein gut ausgebautes psychiatrisches Versorgungssystem. Viele Patienten profitieren trotz alledem nicht von den vorhandenen Hilfen. Sie finden sich unter anderem als Langzeitpatient:innen in psychiatrischen Kliniken wieder. Valide Modelle für eine koordinierte und ambulant orientierte Versorgung für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen existieren nur punktuell bzw. vereinzelt. So verlieren und verlaufen sich Patienten im Labyrinth der Angebote, die gute Therapieangebote beinhalten. So verpuffen die Anstrengungen.

Doch woran haperts speziell?

Der Artikel „Die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland – aktuelle Entwicklungsbedarfe“ kommt zu folgenden Kernaussagen:

1. Versorgung ist umfangreich, aber nicht für alle gleich wirksam
Deutschland hat in den letzten 20 Jahren seine Kapazitäten im Bereich psychischer Gesundheit ausgebaut. Trotzdem profitieren vor allem Menschen mit komplexen psychischen Erkrankungen nicht ausreichend von den vorhandenen Angeboten – teilweise bleiben sie dauerhaft stationär oder erhalten keine passende, abgestimmte Versorgung.

2. Hauptproblem: Mangelnde Koordination über Sektorengrenzen hinweg
Das Gesundheitssystem ist in viele Teilbereiche aufgeteilt (ambulant, teilstationär, stationär, Rehabilitation, Eingliederungshilfen etc.). Diese einzelnen Bereiche sind oft unzureichend vernetzt, was dazu führt, dass Patienten mit hohem Unterstützungsbedarf Lücken oder Wiederholungen in der Versorgung erleben.

  • Es gibt keine flächendeckend integrierten Versorgungsnetze, in denen alle beteiligten Akteure gut miteinander kooperieren.
  • Übergänge zwischen verschiedenen Versorgungsformen sind häufig schlecht abgestimmt, wodurch Therapieprozesse unterbrochen werden oder Patienten „verloren gehen“.

3. Beispiel: Menschen mit komplexen Hilfebedarfen
Patient:innen, die mehrdimensionale Hilfe benötigen (z. B. bei gleichzeitig bestehenden sozialen Problemen, körperlichen Erkrankungen und psychischer Belastung), finden oft nicht die passende Versorgung, weil verschiedene Leistungsträger nicht kooperieren.

  • Statt eines auf die Person ausgerichteten Versorgungsplans entstehen zerschlissene Behandlungspfade, die nicht aufeinander abgestimmt sind.
  • Dies kann dazu führen, dass Betroffene mehrfach das gleiche erzählen müssen, Termine mehrmals organisieren müssen oder keinen klaren Ansprechpartner haben.

4. Versorgungslücken trotz vorhandener Ansätze
Obwohl es regionale Projekte für integrierte Versorgung gibt (z. B. flexible und ambulant orientierte Behandlungsmodelle), sind diese bisher nicht flächendeckend etabliert. Somit bleibt das System insgesamt fragmentiert.

5. Fachkräftemangel verstärkt das Problem
Ein weiterer Entwicklungsbedarf besteht im Mangel an Fachpersonal, der die Versorgung zusätzlich unter Druck setzt – besonders bei chronischen Verläufen oder komplexen Fällen.

Die Erkenntnisse sind jetzt nicht neu und der Artikel beschreibt gut die Entwicklungsansätze, die es zu ergreifen gäbe. Auch diese sind nicht neu. Sie bleiben leider aus.

Doch gibt es gibt Vorbilder, wie Norwegen. Warum also nicht einfach Machbares abschreiben? Traditionell setzte Deutschland bisher auf seine “überblähte” Krankenhausstruktur. Zwar bröckelt diese leidlich,  trotzdem sind starke Lobbyverbände dann interessiert, Reformen zu verhindern:

Deutschland hat die höchsten Gesundheitsausgaben bei niedrigster Lebenserwartung im EU-Vergleich. Prävention, Niedrigschwelligkeit und Verhältnismäßigkeit werden weiterhin fremde Vokabeln in Deutschland bleiben. Der Zugang zu Gesundheitsmaßnahmen ist zwar allen Bürgern gegeben, aber d. h. noch lange nicht, dass diese Maßnahmen einen konkreten Nutzen für den Menschen haben. So wird viel dokumentiert und abgerechnet, aber die Deutschen kommen trotzdem oft nicht in den Genuss von wirksamen präventiven, therapeutischen und nachsorgenden Gesundheitsleistungen, die sich an patientenrelevanten Endpunkten orientieren.

So irren Patienten im Labyrinth des deutschen Gesundheitssystems umher und verfangen sich in unwirksamer Hilfe – fachübergreifend – nicht nur im Umfeld psychischer Erkrankungen.

Quellen:

Bramesfeld, A. Die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland aus Perspektive des Gesundheits- und Sozialsystems: Aktuelle Entwicklungsbedarfe. Bundesgesundheitsbl 66, 363–370 (2023).

https://doi.org/10.1007/s00103-023-03671

Deutschland: Ländergesundheitsprofil 2023 – OECD Bericht

https://doi.org/10.1787/7fd88e75-de

 

 

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